Juni 26 2017
Roundtrip Teil 3 New Orleans – Frenchmen Street abends
Leider hat es mit diesem Bericht etwas gedauert, aber momentan schlägt bei mir der Software Voodoo zu. Mein Photoshop hat den Geist aufgegeben, ich musste es löschen und mein Navi (aka Herr Gedik) streikt auch seit einer Woche. Aber das nur am Rande. Aber jetzt liefere ich:
Nachdem wir nun einigermaßen trocken zurück im Hotel waren hatte sich das Wetter wieder beruhigt, das Gewitter war vorüber. Jetzt wurde es aber erst richtig feucht und dampfig, es hat kein bisschen abgekühlt. Na jetzt weiss ich wenigstens, wie sich ein Suppenhuhn im Dampfkochtopf fühlt 🙂 . Wenn jemand nach einem Saunagang ist, sollte er / sie jetzt im Park spazierengehen.
Wir haben uns etwas ausgeruht, die viele Lauferei hat meinen Fuß etwas mitgenommen, aber da muss man durch. Wiederum den Stadtplan zu Rate gezogen, hat Stevie eine Route ausgeheckt auf der man mit der „Tram“ inklusive einmal umsteigen direkt an den Anfang der Frenchmen Street kommt. Die Fahrt mit der Tram dauerte insgesamt ca. ½ Stunde, wobei die Haltestelle direkt an der Canalstreet, ca. 5 Minuten Fußweg, vorbei am berühmten Harrah’s Spielcasino vom Hotel entfernt war.
Die Fahrpreisgestaltung ist so simpel wie effektiv. Man bezahlt $1,00 pro Fahrt, jedes Umsteigen kostet 25¢, maximal aber 50¢. Oder – man kauft sich ein Tagesticket für $3,00 und kann damit – wie der Name schon sagt – den ganzen Tag fahren wie man will. Der Tramfahrer hatte kurioserweise eine Warnweste von „Transdev“ an, dazu muss man wissen, dass Transdev die Muttergesellschaft vom Meridian ist. Am Endpunkt muss man nur noch über die Strasse gehen und man ist am Anfang (oder Ende) der Frenchmen Street.
Inzwischen war es dunkel geworden und wir gingen zuerst an einer Spelunke vorbei, aus der lauter Bluegrass tönte und – ein paar Leute vor der Tür eine Rauchwolke der besonderen Art produzierten. Einmal tief einatmen und der Abend wird umso lustiger 😉
Es ist erstaunlich wie die alten Gebäude Katrina überstanden haben, obwohl insgesamt relativ heruntergekommen, versucht man mit den anscheinend geringen zur Verfügung stehenden Mitteln etwas zu schaffen bzw. zu erhalten. Die Straße rauf und runter findet man alte, teilweise deutlich verfallende, aber dafür oft sehr charmante Wohngebäude, Musikkneipen, kleine Bistro’s wie auch größere Restaurants, Schmuckläden und Kunstmärkte in Hinterhöfen. Die Strasse vibriert vor Leben, Ausgelassenheit und guter Stimmung. Dazu tragen auch – wieder einmal – die teilweise wirklich guten Musiker bei, die auf der Strasse spielen und sich über kleine Spenden freuen.
Wir sind dann der Empfehlung unserer Concierge gefolgt und in das Restaurant „Snug Harbor“ gegangen. Im ersten Stock, für uns unsichtbar spielte eine lifeband bluegrass music. Stevie hat ein New York Strip Steak gegessen und ich habe mir creolische Shrimps in einer angeblich scharfen Soße bestellt. Dazu gab’s Weissbrot und Salat, bzw. für mich ein Gemüse nach Wahl. Ich habe mich für grünen Spargel entschieden. Jetzt weiss ich wenigstens was bei einer Ziege im Mund vorgeht, wenn sie einen zähen Kaktus frisst.
Wir haben beide Eistee getrunken, also nichts Aufregendes. Das Essen war zwar gut, aber viel zu teuer. Wir waren zusammen inklusive Tip $ 80,00 schuldig, was eine der, wenn nicht die höchste Restaurantrechnung meines gesamten Aufenthaltes war. Definitiv nicht wert. Aber gut, die Erfahrung war gemacht und das Essen wie gesagt nicht übel, die Livemusik tat ihr übriges.
Die Bedienung dafür war „ihr Geld“ wert. Mit lockeren, mindestens 130 Kilo Lebendgewicht waddelte sich die ca. 20jährige unfallfrei zwischen den engstehenden Tischen hindurch. Bei Bedarf wurde das Hinterteil elegant über Stuhllehnen gehoben um keinen Totalschaden an Mobiliar und Gästen zu riskieren. Meinem Eindruck nach war jedoch ihre Hauptbeschäftigung professionelles Schnattern. Mit einem sehr lauten Organ plapperte sie geschlagene 10 Minuten auf ein Gästepaar ein, das tapfer versuchte ihrem Redeschwall zu folgen. Ihrem Gesichtsausdruck nach versuchten sie wohl eher erfolglos einen Sinn dahinter zu entdecken, während wir zahlen wollten und Gäste uns gegenüber sehnlichst auf ihr Essen warteten. Verständlich, dass unser Tip in dem Fall nicht so großzügig ausgefallen ist.
Auf dem Rückweg sind wir dann noch mehr oder weniger zufällig in einen großen Hinterhof der Frenchmen Street geraten, in dem ein Künstlermarkt stattfand. Viele Bilder, Fotografien, Postkarten, Schmuck und Schnitzereien aus Treibholz, Muschelkunst und Kuriositäten wurde angeboten. Einer verkaufte Stehlampen, die aus einem Stapel alter Bücher, die aufeinandergeklebt, durchgebohrt und mit einer Lampenfassung und Kohlefadenglühbirne versehen, gefertigt waren. Wir sind schließlich an einem Stand hängengeblieben, an dem ein Typ Schlüsselanhänger und Armreifen aus ausgeschnittenen Nummernschildern verkauft hat. Eine tolle Idee wie ich finde, wir haben ihm drei Stück für $25,00 abgekauft. Mit den US Nummernschildern kann man das gut machen, bunt und grafisch gestaltet wie sie sind. Mein Anhänger ist aus einem Nummernschild von New Mexico geschnitten, m.E. einem der schönsten Staaten.
Wieder an der Endhaltestelle angekommen, haben wir dann ca 40 Minuten auf die letzte Bahn gewartet und waren nach 1 ½ Stunden wieder „daheim“ im Hotel. Versteht sich von selbst, dass wir ziemlich erledigt sofort eingeschlafen sind und auf das Frühstück am nächsten Morgen zugunsten einer weiteren Runde Schlaf verzichteten. Das haben wir dann in einem Denny’s Restaurant auf dem Weg Richtung Apalachicola nachgeholt. Aber davon mehr im nächsten Bericht.
P.s.: Die Foto’s und auch das Filmchen hat diesmal Stevie beigesteuert, ich hatte meine Kamera nicht dabei.


















Juni 26, 2017 @ 21:42:45
Hallo an Euch beide,
wie schön, dass Ihr weiter auf „Entdeckungsreise“ seid und es Euch gut geht,
und nur ein klein wenig technische Probleme aufgetreten sind.
Soll ja manchmal vorkommen, nicht wahr ! (Kenn ich doch irgendwie)
Aber Stevie hat doch toll „geliefert“.
Weiterhin viel Spaß und gute Erlebnisse.
Juni 27, 2017 @ 01:03:03
Hallo Siglinde!
Danke für Deine Wünsche! Stevie ist leider schon wieder zu Hause, das geht aus meinem verspäteten Bericht nur nicht hervor. Inzwischen bin ich auch schon fast am Ende meiner Zeit hier, aber 2 – 3 Berichte habe ich noch in der Pipeline. Also, stay tuned!
LG, Ira