Roundtrip Teil 2 Montgomery – Biloxi – New Orleans (nachmittags)

 

Auf der Strecke Montgomery – Biloxi war wieder Meilen fressen angesagt. In Biloxi, unserem Übernachtungsziel haben wir ein Zimmer in einem Motel 6 gebucht. Motel 6 ist eine Billigkette, die spartanisch eingerichtete Zimmer zu einem günstigen Preis bietet. Man kann Glück haben, oder aber auch in einer abgewohnten Bude in übler Gegend landen. Der Trick ist, sich aufmerksam die Umgebung anzuschauen und dann natürlich das Zimmer checken. Nun, dieses war erfreulicherweise einwandfrei sauber, das Motel kürzlich renoviert, die Gegend (direkt an der Autobahnabfahrt) ok und der Preis mit $ 62,00 für die gebotene Leistung akzeptabel.

Nach einer ruhigen Nacht sind wir dann zu unserer letzten Etappe nach New Orleans aufgebrochen, wo wir am späten Vormittag angekommen sind. Wir haben im LaQuinta Inn, nur wenige Gehminuten vom French Quarter  entfernt, reserviert. Dabei hatten wir Glück, denn eigentlich wäre das Zimmer erst ab 15:00 bezugsfertig gewesen. Der Preis von $ 150,00 war für 2 Queen Betten, Frühstück, Sauna und Aussenpool im 5. Stock (!) vergleichsweise moderat. Der Parkplatz im Parkhaus beim Hotel kostet allerdings saftige $ 30,00 für 24 Stunden zusätzlich. So nahe am FQ braucht man das Auto jedoch nicht, wir haben alles was in der kurzen Zeit möglich war, zu Fuß erkundet. Und das war viel.

Nach einer kurzen Pause im Hotel sind wir dann Richtung French Quarter losgezogen. Vom Hotel hatten wir einen Plan des Stadtkerns, aber wenn man einmal im FQ angekommen ist, verläuft man sich sowieso und ich erst recht. Stevie hat uns jedoch immer wieder in „die richtige Spur“ gebracht. Unser Plan war keinen zu haben, einfach nur immer Richtung Mississippi Ufer zu gehen. In den Strassen vom FQ verbummelt man allerdings relativ viel Zeit, weil es soviel zu sehen gibt. Von weitem schon hört man die zahlreichen Strassenmusiker, die meist relativ jung, sehr gut und – schwarz sind.

Erstaunlich, welche „Klänge“ und Rhythmen man aus alten Plastikeimern und platten, an die Sohlen geklebten Coladosen rausholen kann. Die Jungs steppen und trommeln sich einen ab dass einem schwindlig wird, dabei darf man die Temperaturen hier nicht vergessen. Es hat locker 35° bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Eine wichtige Rolle spielt hier das „Sousaphone“, wie die Trompete ist es in fast jeder (professionelleren) Musikgruppe dabei. Kneipen mit creol-food wechseln sich ab mit Souvenirbuden und Antik-Läden, dazwischen immer mal wieder ein Store mit allem was scharf ist (macht 😉 ) und ganz wichtig, die Voodoo Läden.

In einem solchen waren wir natürlich auch. Man kann von Hühnerkrallen bis Ziegenblut, Sorgenpüppchen, Voodoonadeln, Tierskelette, Totenschädel (garantiert echt 🙂 ) Rauchzeug und allerlei sonstiges Ritualzubehör alles kaufen. Die faltige Verkäuferin ist stilecht in irgendwelche Lumpen gehüllt, hat Augenringe wie alte Winterreifen und riecht nach einer Mischung aus Patchouli, Weihrauch und alten Socken. Geheimnisvoll warnend raunt sie mir mit Blick auf meine Kamera zu, das das ein Dämonenwerkzeug sei, mit dem man die Seelen einfange und den Menschen damit auf ewig verdamme. Das aber zu tun, sei Satans Job. Mit knochigem, schwarzlackierten Finger zeigt sie dabei auf ein Schild, das das Fotografieren im Laden verbietet, bzw. man bei Zuwiderhandlung mit heftiger Seelenpein bestraft wird. Blöd nur, dass meine Kamera aus der Hüfte sozusagen immer wieder „wie von selbst“ ausgelöst hat. Aber irgendwas ist schon dran an dem Fluch, die Bilder sind (fast) alle unscharf geworden. 🙂

Weiter auf dem Weg in Richtung Mississippi kamen wir an einem Antiquitätenladen vorbei, dessen Inhaber, Yoram Blumenkrantz, draussen auf der Strasse stand und die Szene überblickte. Ich habe selten einen so coolen Alten gesehen. Wie er da stand, in seinem Anzug und maßgefertigten Schuhen, die Hände in den Taschen und den Blick in die Ferne gerichtet, was für ein Bild. Wie die Amerikaner so sind, reicht oft ein Blick um ins Gespräch zu kommen. Blumenkrantz erzählte mir, dass seine Grosseltern während der Prohibition ein sogenanntes „speakeasy“ (eine Flüsterkneipe) betrieben und damit „some chickenfeed“ (etwas Kleingeld) gemacht haben.

Nach der Prohibition war es natürlich vorbei damit, aber der Sohn hatte geschickt agiert und während der great depression einen Pawnshop (Pfandleihe) betrieben. Dieser wiederum bildete den Grundstock für das heutige Antiquitätengeschäft. Aber auch Yorams Geschäft wurde 2005 von Hurricane Katrina schwer geschädigt, glücklicherweise war er gut versichert. Das größte Problem war für ihn, wieder anspruchsvolle Ware zu beschaffen. Wie es aber leider oft ist, trifft wohl auch hier das Sprichwort: „die erste Generation verdient es, die zweite erhält es und die dritte bringt es durch“ zu, der Sohn scheint eher das „leichte“ Leben in NO zu geniessen. Beeindruckt verabschieden wir uns, nicht ohne uns gegenseitig Glück und gute Geschäfte im weiteren Leben zu wünschen.

Vorbei an der St. Louis Cathedral, auf deren Vorplatz, dem Jackson Square natürlich gejazzt wird, sind wir in den Woldenbergpark gegangen der sich am Mississippiufer entlangzieht, um etwas „Luft“ zu holen. Danach wollten wir ans Ufer zur NO Steamboat Company.

Das war uns aber leider nicht vergönnt. Zwischen Ufer und Fußweg dahin sind Eisenbahnschienen und ein ca. 2 Millionen Kilometer langer, doppelstöckiger Güterzug würgte sich kriechend und jämmerlich metallisch-quietschend über die Schienen. Wir haben mit Sicherheit mehr als 20 Minuten gewartet und irgendwann blieb er dann einfach stehen. „You gotta be kiddin‘ me“ meinte eine wartende Frau neben uns und einige Leute kletterten dann zwischen den Waggons auf die andere Seite.

Ein zusätzliches Problem braute sich am Himmel zusammen. Dunkle drohende Wolken zogen mit hoher Geschwindigkeit heran und wir machten uns daher auf den Rückweg. An der nächsten Kreuzung fing es aber auch schon an zu schütten als hätte der große Voodoo alle Schleusen geöffnet. Wir haben uns in die nächste Eck-Kneipe gerettet, wo Stevie dann zur Feier des Tages ein Shrimp-Sandwich vertilgte, ich gab mich mit einem Kaffee zufrieden. Witzig war, dass der Kneipenbesitzer garnicht daran dachte, seine umlaufenden Fassadentüren zu schliessen, so dass Wind und Regen fröhlich durch’s Lokal pfiffen. Draussen stand in kürzester Zeit alles unter Wasser, die Kanalisationspumpen wurden mit den Wassermassen nicht fertig.

Nun ja, wie kommt man nun zurück ins Hotel? Wir haben immer mehr Leute mit Regenponchos aus Plastik gesehen und Stevie ist dann irgendwann los und hat zwei für uns ergattert, Stück $ 3,00. Damit ausgestattet, sind wir dann losgepatscht und waren nach ca. 20 Minuten leidlich trocken zurück im Hotel. Da war es um die 18:00 Uhr und wir überlegten wie es weitergehen sollte. In der Hotelhalle tat eine sehr nette Hotelconsierge Dienst, die habe ich nach einem Lokal gefragt wo wir Abendessen können. Sie hat mir den guten Tipp gegeben NICHT ins FQ zu gehen, sondern in die Frenchmen Street, die fast direkt vom French Quarter wegführt. Dort würden die Leute aus Tremè, ein von Katrina grösstenteils besonders schwer getroffener Stadtteil in der Nähe, versuchen sich eine neue Existenz zu schaffen. Der Vorteil wäre, dort gäbe es kaum Touristen, weil es nur wenige Aussenstehende kennen. Alle wollen immer nur ins FQ. Top! Das war für uns Grund genug. Davon aber im nächsten Bericht, Roundtrip Teil 3 New Orleans – Frenchman Street abends.

Louisiana State

Louisiana State

LaQuinta

LaQuinta

Hotelview

Hotelview

Greenline 2

Greenline 2

Greenline

Greenline

Rikscha

Rikscha

Sousaphone and Drums

Sousaphone and Drums

N'awlins Cookery

N’awlins Cookery

Street Musicians

Street Musicians

Old and New

Old and New

Iberville Street FQ

Iberville Street FQ

Street Musicians 3

Street Musicians 3

Hot Stuff Shop

Hot Stuff Shop

Tabasco Gallon

Tabasco Gallon

Bourbon Ecke Bienville Street

Bourbon Ecke Bienville Street

Balcony

Balcony

Redline

Redline

Redline 2

Redline 2

Burgundy - Toulouse Street

Burgundy – Toulouse Street

Voodoo Shop

Voodoo Shop

Voodoo Shop inside

Voodoo Shop inside

Last Coach

Last Coach

City Hall

City Hall

Parkplant

Parkplant

Street Musicians 2

Street Musicians 2

Yoram Blumenkrantz

Yoram Blumenkrantz

Cathedral Musicians

Cathedral Musicians

Sunken Bike

Sunken Bike