Juni 10 2014
Whitehall, Palm Beach
Palm Beach hat so ziemlich die größte Milliardärsdichte der USA, wenn nicht weltweit. Das sieht man der West Palm Beach vorgelagerten Insel aber auch an. So schön sie ursprünglich wohl einmal war, so gnadenlos zugebaut ist sie heute. Villa drängt sich an Villa, Luxushotels säumen die Ufer an Land sowie millionenteure Yachten die im Wasser. Auf der „Worthy-Avenue“ geben sich alle Nobelläden der Welt ein Stelldichein. Man ist hier in PB so sehr auf den Schutz und die Ruhe seiner Milliardäre bedacht, dass man sogar einem Donald Trump ein Feuerwerk zu seiner Hochzeitsfeier verboten hat. Dagobert Duck könnte sich ja gestört fühlen. Nirgends in den USA habe ich bisher ein eigentlich sehr deutsches Phänomen gesehen, wohl aber hier – und wen wundert’s – auf die Spitze getrieben. Die Rede ist von
Hecken. Blickdicht, 3 – 4 Meter hoch, lediglich ein „Torbogen“ für die Zufahrt wird gelassen. Ganze Strassenzüge sehen daher auf den ersten Blick aus wie ein monokultureller Waldweg. Na ja.
Von NSB nach Palm Beach sind es knackige 3 Stunden nach Süden, 189 Meilen, davon 184 auf dem Interstate Highway 95. Whitehall ist der Winterruhesitz von Henry Flagler, der mit seiner Frau hier den Januar und manchmal noch den Februar verbracht hat. Dafür braucht man natürlich schon ein klein‘ Häuschen, das er von 1900 – 1902 als Hochzeitsgeschenk für seine dritte Frau, Mary Lily Kenan im Beaux Arts Stil, hier baute. Grundstückspreis damals: $50.000. Flagler, der mit Rothschild Standard Oil gegründet hat, starb 1913 im Alter von 83 Jahren in diesem Haus, an den Folgen eines Sturzes von einer Marmortreppe in der Eingangshalle.
Whitehall hat 55 prächtig mit kostbaren Möbeln, Marmorfußböden, Seidentapeten, Deckenfresken und üppigen Vergoldungen ausgestattete Zimmer. Im „Musikzimmer“ steht Whitehall’s original 1,249-pipe J.H. & C.S. Odell Co. Orgel, im „Drawing Room“ ein Steinway art-case grand piano, die man in sonntäglichen Konzerten hören kann. Wer sich näher für Whitehall interessiert, kann hier eine „Virtual Tour“ (sehr empfehlenswert!) machen, die sogar eine deutsche Audiobegleitung mit anbietet. Zudem sind die (professionellen) Fotos sehr schön, so konnte ich’s natürlich nicht, schon weil Fotografieren mit Blitz nicht erlaubt, das Gebäude innen aber sehr dunkel war.
Im erst 2005 angebauten, lichtdurchfluteten Flagler-Kenan Pavillon steht Flaglers „No. 91“, sein privater Eisenbahnwaggon, mit dem er einen Großteil seiner Geschäftsreisen unternahm. Er hatte noch andere Waggons, aber dieser war anscheinend sein bevorzugter 😉 . Für damalige Zeiten wahrscheinlich unerhörter Luxus, heute eher Holzklasse. Man kann durch den Waggon durchgehen, es gibt in einem Abteil mehrere Betten, eine Küche und zwei sanitäre Einrichtungen, einmal für Begleitpersonal und einmal für Flagler. Selbstverständlich hatte der alte Henry seinen privaten Schlafraum mit Doppelbett. Die Standesunterschiede aber sieht man am Besten an den Toiletten…

































