Juni 2 2014
Homosassa River, Manatee Preserve
Im sogenannten „Citrus County“ an der Westküste, auf ziemlich der gleichen Höhe wie New Smyrna Beach liegt der kleine Ort Homosassa und daneben der „Ellie Schiller Homosassa Springs“ Manatee State Preserve. Hier pflegt man u.a. Manatees, die z.B. durch Bootsunfälle verletzt wurden, wieder gesund und zieht Manatee-Waisen auf bis sie in die Wildnis entlassen werden können. Es ist aber auch Winterrefugium für die kälteempfindlichen Tiere. Das Zentrum ist ein Quelltopf, der täglich mehrere Millionen Liter Wasser schüttet und damit den Homosassa River speist. Manatees sind absolut friedliche, dem Menschen gegenüber freundlich gesinnte, neugierige und harmlose Tiere.
Der etwas kuriose Eintritt täuscht eine gewisse Abgeschiedenheit vor, die sich aber als Irreführung herausstellt. Am vermeintlichen Eingang des Parks besteigt man ein Elektroboot, das die Besucher ca. 30 Minuten durch einen dichten Zypressenwald und Palmettogestrüpp, vorbei an einer künstlich angelegten Insel zum eigentlichen Parkeingang bringt. Dort stellt man verwundert fest, dass auch eine Strasse hinführt, mit einem großen Parklatz vor dem Eingang. Immerhin, die Bootsfahrt ist kostenlos.
Durch eine große Halle mit dem obligatorischen „Giftshop“, verschiedenen Infotafeln über das Wildlife und einigen Ausstellungsstücken vorbei kommt man schliesslich zur Kasse und damit zum Zugang. Im Park kann man sich nicht verlaufen, man geht – entweder erst links oder rechts – auf einem durchgängigen, als Rundweg angelegten Holzplankenweg. Ich bin – entgegen des Stroms – links gegangen. Der Weg führt an mehreren Gehegen mit Florida Panther, Schwarzbären, Alligatoren, verschiedenen Vögeln und durch ein Reptilienhaus an einigen untereinander abgetrennten Ponds mit Fischen, Alligatoren und Wasservögeln vorbei.
Eine der Hauptattraktionen ist ein Unterwasser Observatorium, wo man eine großartige Rundumsicht auf Fische und Manatees hat. Täglich finden Fütterungen der Manatees statt, die sich bei Mensch und Tier großer Beliebtheit erfreuen, da die Tiere bis ans Ufer kommen und dort von den Betreuern mit Leckereien wie ganzen Salatköpfen verwöhnt werden. Selbstredend ist der Menschenandrang jedesmal groß, weshalb ich mir das Spektakel erspart habe, zumal ich es beim meinem ersten Besuch vor langen Jahren schon gesehehn habe.
Abseits vom Trubel, in einer ruhigen Ecke des Parks wurde ich von einer Manatine ziemlich angemacht (ich sag‘ jetzt einfach es war eine „Sie“ 😉 ), indem sie vor mir in ihrem wässrigen Laufsteg eine richtige Show abzog. Sie schwamm im Kreis, tauchte unter und kam wieder an die Oberfläche und schaute mich an als wollte sie fragen ob ich jetzt genug schöne Fotos von ihr hätte. Und schwamm erneut im Kreis, es fehlte nur noch die rote Ray Ban Sonnenbrille. Unnachahmlich auch ihr lasziv-legerer Schwung der riesigen Schwanzflosse. Bis, ja bis auch andere Leute das Treiben bemerkten und herbei eilten um zu fotografieren – da schwamm die Dame mit elegantem Hüftschwung davon.
Ich hätte gerne Bilder vom Florida Panther und den Bären gemacht, aber die haben mir eine Nase gedreht und sind erst garnicht erschienen. Na ja, die Höhle war wohl kühler und wegen ein paar Touristen steht man sowieso nicht auf, recht so. Auch die Schlangen (Copperhead, Rattlesnake et c.) liegen nur faulverschlungen in ihren Terrarien, ausser heftigem Geruch also auch hier keinerlei Aktivitäten. Anders das Vogelvolk. Hier war richtig Äktschn, die weissen Pelikane haben die braunen verprügelt, die Flamingos steckten – um ja nicht aufzufallen – die Köpfe ins Gefieder, die Weisskopf-Adler, sich ihrer majestätischen Vorherrschft voll Bewusst, beäugten das niedere Vogelvolk nur mit stoischer Gleichgültigkeit. Enten taten das was sie immer tun (auch zu Hause im Westpark 😉 ) sie haben geschnäbelt, sich wichtig gemacht und ihr Gefieder unter großem Wasserverbrauch geputzt.
Ziemlich am Ende des Rundwegs, waren drei Parkranger damit beschäftigt, einem Torbogen einen frischen Anstrich zu geben. Einer stand auf der Leiter und pinselte fleissig, die zwei anderen hielten die Leiter, oder eher sich an ihr fest. Ich ging vorbei und musste innerlich grinsen, sind doch gewisse Dinge auf der ganzen Welt gleich. Also ging ich zurück und fotografierte das Trio. Der Mann auf der Leiter bemerkte es und fragte ob ich einen der Kollegen kennen würde weil ich sie fotografiert habe. Als ich ihnen gesagt habe weshalb ich sie abgelichtet habe (Arbeiterdenkmal) wäre der arme Mann vor lachen fast von der Leiter gefallen und seine Kollegin meinte gespielt-weinerlich „aber ich halte doch den Farbtopf fest…“ 🙂
Fazit, man kann sich den Park anschauen – muss man aber nicht. In der Nähe gibt es noch einen indiansichen Ausgrabungsort einer Timucuan Siedlung, die ich bei der Gelegenheit sehen wollte. Also bin ich die 5 Meilen hingefahren. Der Parkplatz war bis auf ein Fahrzeug leer. Als ich zum Eingang unterwegs war, kamen mir die Autobesitzer entgegen, wedelten und schlugen wild mit den Händen vor Gesicht und Körper herum und rieten mir umzukehren, die Moskitos hier wären Menschenfresser. Ok, dachte ich mal sehen. Doch weit kam ich nicht, ganze Kohorten der „Florida State Birds“ (Moskitos) haben nur auf mich gewartet. Ich habe die Ausgrabungsstelle nicht gesehen.


















